,,Wo ist Papa?“ – Interview mit Mirna Funk

Blättert man durch Kinderbücher gibt es da oftmals eine Sarah die ihre erste Ballettstunde hat, einen Tim der Torwart wird, und beide haben zwei liebende Elternteile: Eine Mutter und einen Vater, versteht sich. Alles was sich abseits von gendertypischen Rollenbildern und Beziehungsformen befindet, ist auf den Seiten solcher Bücher nicht zu sehen. Stattdessen werden Klischees reproduziert und implementiert. Diese festgefahrenen Strukturen will die Autorin Mirna Funk aufbrechen und für mehr Diversität sorgen, damit auch schon Kinder begreifen, dass es mehr gibt als Vater-Mutter-Kind.

Woher kam die Idee zu „Wo Ist Papa?“
Ich bin alleinerziehend. Und zwar gerne. Den Vater meiner Tochter habe ich vor 2,5 Jahren verlassen. Mittlerweile ist meine Tochter fast drei Jahre alt. Obwohl er keinen Kontakt zu ihr haben will, schauen wir uns immer wieder Bilder an. Er ist ja kein Mysterium. Sie fragt auch nach ihm, sie fragt: „Wo ist Papa?“ Also habe ich vor einem Jahr angefangen ihr immer eine Geschichte von einer Löwin namens Lena und einem Löwenbaby namens Ella zu erzählen. Das heißt, die Geschichte ist letztlich eine Gute-Nacht-Geschichte für meine Tochter Etta. Ich wollte, dass sie lernt, dass es noch mehr da draußen gibt, außer Mama-Papa-Kind. Ich wollte, dass sie nicht denkt, irgendwas fehlt bei uns oder wir warten auf irgendwas. Weil, das tun wir nicht. Wir sind eine Familie. Komplett und perfekt.

Wie verlief der Entstehungsprozess? 
Ich habe die Illustratorin Maayan Weisstub in Tel Aviv kennengelernt. Das ist quasi mein Zweites Zuhause. Wir haben uns sofort gut verstanden und ich erzählte ihr von der Idee. Und sie erzählte mir sofort von Familienmodellen, die sie kennt. In Tel Aviv gibt es eine große Gay-Community und deshalb entstehen automatisch Familien fernab vom hetero-normativen Bild. Dann habe ich eine Liste von Familien gemacht und mir die Tiere dazu ausgedacht. Schwule Gazellen, polyamoröse Vögel, Giraffengroßeltern und so weiter. Sie fing an zu malen und ich fing an zu schreiben. 

Illustratorin Maayan Weisstub & Autorin Mirna Funk
Die Giraffen Großeltern

Dieses Buch ist ein Schritt in die richtige Richtung, aber was können wir gerade aktiv im Alltag tun, um uns für mehr Diversität einzusetzen? Stehen uns dabei nicht festgefahrene Strukturen im Weg?
Total. Es fängt ja damit an, dass in Kinderbüchern immer dieselben Mutter-Vater-Kind-Geschichten gezeigt werden, oder dass sie in der Schule und im Kindergarten Lieder singen, in denen dieses klassische Model drin vorkommt. Oder dass man eben als Alleinerziehende als imperfekte Familie angesehen wird. Es vergeht ja kein Tag – und das seit zwei Jahren – an dem mir nicht einer mitleidig auf die Schulter klopft und sagt: „Da kommt schon noch jemand, der dann Ettas Vater wird.“ Und ich denke so „Hä? Warum überhaupt? Vielleicht kommt da gar keiner, oder eine Frau oder ein verheiratetes Paar oder ein Mann mit 12 Kindern aus einer alten Beziehung.“ Ich meine, diese Zuschreibungen, was richtig und normal ist, die sind schlimm und darauf müssen wir unbedingt selber achten. Deswegen wollen wir auch jedes zehnte verkaufte Buch an eine Bildungsinstitution spenden.

Mirna und ihre Tochter Etta – Foto Credit: Noam Rosenthal
Alleinerziehende Lena mit Tochter Ella

Was werdet ihr mit dem gespendeten Geld alles umsetzen? Was sind eure weiterführenden Ziele/Pläne mit „Wo Ist Papa?“
Maayan ist Illustratorin und ich Schriftstellerin. Das heißt, wir brauchen ein Grafikbüro, das diese Bilder und diese Texte zu einem Buch macht. Das ist extrem viel Arbeit. Dann brauchen wir eine Website mit Shop, weil wir es ja sozusagen selber verlegen. Diese Entscheidung haben wir getroffen, weil wir uns nicht an einen Verlag binden wollten. Dann wollen wir das Buch sofort in verschiedene Sprachen übersetzen: Englisch, Französisch, Hebräisch, Italienisch, Spanisch. Das heißt, damit schaffen wir sogar Jobs, nämlich für Übersetzer. Schließlich geht es noch mehr Kindern und nicht-klassischen Familien außerhalb Deutschlands ähnlich. Dazu kommt, dass wir einen Jahreskalender geplant haben. So dass Kindern jeden Monat ein anderes Familienmodell gezeigt und gelehrt werden kann. Denn wenn wir bei den Kindern anfangen, sie zu toleranten Menschen zu machen, dann werden die Probleme mit denen ich oder nicht-klassische Familien konfrontiert sind, einfach per se weniger.

Last but not least: Wir müssen die Druckkosten der ersten 1000 Bücher bezahlen. Das sind alleine schon 6000 Euro.

HIER könnt ihr spenden, um Mirna und Maayan bei ihrem Projekt zu unterstützen!

 

 

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