„Silvana“ ist laut und dann wieder leise. Romantisch und knallhart, spricht von Zukunft und reist in die Vergangenheit. Ein Film voller Gegensätze, der aber nie den Fokus verliert und Ungerechtigkeit, Wut, aber auch Liebe und Hoffnung erfahrbar macht.

Silvana Trailer DE UT from Rise And Shine Cinema on Vimeo.
In 90 min wird die Geschichte der Schwedin Silvana Imam erzählt, welche es sich als Ziel gesetzt hat, das Patriarchat zu bekämpfen. Die einzige Waffe der Punk-Rapperin mit litauischen und syrischen Wurzeln ist ihre Stimme, ihr Sprachrohr sind ihre kompromisslosen Texte. Die drei Regisseurinnen Mika Gustafson, Olivia Kastebring und Christina Tsiobanelis begleiteten die Künstlerin über mehrere Jahre und sind mit der Kamera hautnah beim Aufstieg, Zusammenbruch und Comeback dabei. Sie nehmen den/die Zuschauer*in mit zu den Anfängen der Liebesgeschichte zwischen Silvana und der schwedischen Pop-Künstlerin Beatrice Eli, welche sich während der Dreharbeiten entwickelt, und die schöner vom Leben nicht hätte geschrieben werden können.


„Wir wollen diejenigen inspirieren, die sich in der Musik von Silvana wiederfinden, in ihren Kämpfen, und in ihrer Liebe zu Beatrice. Denn auch wenn wir uns im 21. Jahrhundert und in einem relativ toleranten Teil der Erde befinden, so gibt es doch kaum lesbische Liebe festgehalten in Bildern, in Dokumentarfilmen oder in anderen medialen Formaten“,
betonen die Regisseurinnen, die sich vor allem auch durch ihre unkonventionelle Art der Regieführung abheben. Die Zusammenarbeit der drei basiert auf einem demokratischen System, Hierarchien sind hier fehl am Platz. Jede übernimmt jede Aufgabe, vom Ton bis zur Kameraführung, damit jede gleichwertig ihre eigenen kreativen Ideen selbst umsetzen kann. Was entsteht, ist eine in sich schlüssige Dokumentation, die neben ihren Inhalten auch durch eine gewaltige und besondere Bildsprache überzeugt, deren analoge und digitale Elemente sich gegenseitig ergänzen und den Film auf eine noch persönlichere Ebene heben. Wir erleben nicht nur die Gegenwart mit Silvana, ihre Auftritte, Interviews und den Touralltag, sondern begeben uns regelmäßig auf Zeitreise in Form von alten Familienvideos aus den 90ern, die erahnen lassen, warum Silvana zu dem geworden ist, was sie heute ist. Eine Rebellin.


Wir leben in Zeiten, in denen der Medienkonsum zu unserem alltäglichen Leben gehört. Instagram, YouTube, Facebook & Co sind unser täglich Brot – dadurch ist es wichtig, darauf zu achten, dass wir die jüngere Generation nicht aus den Augen verlieren und sich selbst überlassen. Es ist wichtig, jungen Mädchen und Jungs eine Bandbreite an Vorbildern zu liefern, die nicht den genderkonformen Stereotypen der letzten Jahrhunderte entsprechen. Es braucht Alternativen zur 0815 Beauty-Bloggerin, die ihrer jungen Followerschaft auf Instagram das Geschlecht ihres zukünftigen Kindes verrät, indem sie sich selber in einem Meer aus himmelblauen Luftballons inszeniert, während über ihrem Kopf ein überdemensionaler Banner mit der Aufschrift „It’s a boy“ schwebt. Silvana Iman ist so ein alternatives Vorbild. Eine starke Frau, die ihre Emotionen nicht als Softskill betrachtet, sondern als ihre Waffe, um dem Patriarchat und den daraus resultierenden männlich geprägten Strukturen den Kampf anzusagen. Ich hätte so jemanden mit 17 gebraucht. Eine Person, die mir aufzeigt, dass es auch noch anders geht, dass es nicht nur ein richtig gibt; und das Frau sein viel mehr bedeutet als nur schön auszusehen. Im Film betont sie an einer Stelle:
„Ich liebe es, wenn etwas wächst, wenn sich Sachen entwickeln. Ich will diejenige sein, die es in Schweden reißt.“
In Schweden tut sie das schon, nun auch hoffentlich hier in Deutschland. „Silvana“ ist mehr als nur eine Dokumentation. Es ist Apell, Rebellion, Ermutigung und Hommage an das Frau-Sein in einem. Es ist eine Aufforderung, sich selbst zu akzeptieren, Liebe keine Grenzen zu setzen und vor allem für das einzustehen, was einem wichtig ist, mit allen Höhen und Tiefen. „Silvana“ macht Lust auf das Kämpfen und gibt vor allem Hoffnung. Und genau so verlasse ich den Kinosaal, mit Hoffnung, Kampflust und einer Gänsehaut, die mich von Minute eins bis zum Ende des Films begleitet hat.

Kino Termine:
Kino ll: 23.08.2018
Kino Central Berlin: 23.08.2018
B-Ware: 23.08.2018
Wolfkino: 23.08.2018
Weitere Infos unter:
http://silvana-film.de
Instagram:
@silvanaimam
@riseandshinecinema