Drei Tage in der endlosen Wüste Australiens – Tag 1

Den gesamten März war ich mit meiner Familie für 5 Wochen in Tasmanien und Australien unterwegs. Ein Teil dieser Reise war eine organisierte Drei-Tages-Tour in Alice Springs, dem Herzen Australiens. Dort findet man in der berühmten roten Erde den gigantischen Felsriesen Uluru/Ayers Rock und die Katatjutas/Olgas, die beide Wahrzeichen Australiens und der Aborigines sind. Wir besuchten beide und sahen auf unserer Reise mit 16 weiteren Gästen in einem Kleinbus noch viel mehr, als erwartet.
Donnerstag:
5 Uhr. Der Wecker klingelte. Wir standen auf und packten die letzten Sachen zusammen, bevor wir unten an der Rezeption unseres Hotels unsere Koffer deponierten und auf unseren Bus warteten, der uns auf dem 3-tägigen Abenteuer-Ausflug transportieren würde. Vor dem Eingang hielt ein kleiner Bus mit Anhänger. Heraus kletterte Rachel, unser Tourguide, die unsere Namen aufnahm und unser Gepäck verstaute.
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Während die ersten Sonnenstrahlen immer schneller die Straßen beleuchteten, hielten wir an weiteren Unterkünften, bis schließlich alle 20 Teilnehmer im Bus saßen.
Wir verließen Alice Springs und fuhren an den ikonischen, roten Felsen entlang, raus in die endlose Weite der roten Wüste Australiens. Sie ist geschmückt mit kleinen hell-grünen Büschen, gelblichem Gras und hier und da etwas größeren Bäumchen. Nach circa einer Stunde Fahrt bogen wir auf eine Kamelfarm ab.
Kamele kamen Anfang 1800 als importierte Nutztiere nach Australien und wurden wegen ihrer Effizienz in der Wüste eingesetzt, um Nachrichten, Material und Waren vom einen Ort zum anderen zu bringen. Sie sind deshalb so perfekt gemacht für dieses Arbeitsklima, weil sie bis zu 10 Tage ohne Wasser und Nahrung laufen (ihr Höcker besteht aus Fettreserven, auf die sie zurückgreifen) und dabei ein Gewicht von bis zu 400kg auf dem Rücken tragen können. Somit sind sie weitaus bessere Reisebegleiter als Pferde. Doch durch die voranschreitende Industrialisierung wurden sie von Autos und Maschinen abgelöst und die australische Regierung befahl den Kamelbesitzern, die Tiere zu erschießen. Diese jedoch hielten sie als Haustiere oder entließen sie in die Wildnis. Dort vermehrten sie sich wie Hasen und heute gibt es in Australien die meisten Kamele weltweit! Tja, so hatte sich die Regierung das damals wohl nicht vorgestellt…

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Auf der Kamelfarm durften wir einige der Dromedare (Ein Höcker im Gegensatz zu zwei bei Trampeltieren) reiten. Meine Schwester und ich drehten eine Runde mit Sparky. Ich muss sagen, ich könnte mir eine Reise auf einem Kamel vorstellen, denn sie haben weniger geschaukelt, als erwartet.
Wieder im Bus ging es weiter durch die Wüste, während aus den Lautsprechern ein Mix aus ACDC, Ed Sheeran und den Beatles tönte. Was ’ne Mischung, aber irgendwie passte jedes Lied. An uns zog die rötlich gelbe Landschaft vorbei, in der wir alle gespannt Ausschau nach Tieren hielten. Und nach einem schnellen Sandwichmittagessen saßen wir schon wieder im Bus auf dem Weg zum roten Felsriesen, der für die Ureinwohner Australiens ein heiliger Ort ist.

Auf dem Weg zu Uluru und Kata Tjuta

Am Eingang des Uluru und Kata Tjuta Nationalparks bekamen wir unsere Parkausweise, die jeder Besucher im Park bei sich führen muss. Danach gab es zwei Optionen; entweder eine halbe Runde um den Uluru oder zuerst im Culture Centre mehr über die Eingeborenen Aborigines lernen und danach nur noch ein Viertel der Strecke laufen.
Da wir zuvor mindestens eine Stunde verloren hatten, blieb uns nur wenig Zeit am Uluru. Im Vorbeihetzen konnte man die atemberaubende Schönheit der Landschaft nicht sehr gut genießen und wir alle nahmen uns vor, falls wir jemals zurück kommen würden, würden wir mehr Zeit einplanen. Doch der Felsen ist trotzdem mehr als beeindruckend.

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Uluru sieht zwar orange aus, doch eigentlich ist das Gestein darunter schwarz-grau. Es reagiert mit dem Sauerstoff in der Luft und beginnt regelrecht zu rosten, was ihm die braun-orangene Oberfläche beschert. Seine vielfältige Oberfläche ist mal glatt und geschwungen, mal rau mit scharfkantigen Brocken. Die vielen Löcher, Linien und Spalten des jahrtausende alten Gesteins erklären sich die Aborigenes durch eine ihrer vielen Geschichten, die an die jüngeren Generationen weiter gegeben werden.
Die Geschichte über das Relief des Ulurus handelt von Kuniya, einer jungen männlichen Pythonschlange und den gefährlichen Giftschlagen Liru. Der Legende nach wurde Kuniya von den Liru überfallen und mit einem Speer getötet. Seine Tante war darüber so erbost, das sie die Liru verfolgte und aus Rache tötete. Die Aborigines können die Geschichte an den Felswänden ablesen: Die kleinen Löcher sollen zeigen, wo die Speere einschlugen. Eine tiefe Kuhle stellt den Weg der Verfolgungsjagd dar und die Verfärbungen auf dem Gestein sind Überreste vom vergossenen Blut des Kampfes.
Zurück am Bus fuhren wir zu einem Platz, an dem sich schon andere Touristen positioniert hatten, um das perfekte Sonnenuntergangsfoto zu schießen. Die Idee, den Reisegruppen dabei Sekt auszuschenken und Cracker mit Dips bereit zu stellen, hatte wohl nicht nur unsere Organisation…
Die Sonne ging unter und wir fuhren zurück ins Camp, um zu kochen und danach noch gemütlich zusammen zu sitzen. Eigentlich wollten meine Schwester und ich im Swag schlafen. Das ist ein spezieller Outdoor Schlafsack. Doch als wir die „Glamping“-zelte sahen (erhöht, Betten, Nachttisch mit Lampe und Ventilator!), beschlossen wir, das auf die folgende Nacht zu verschieben. Auf dem Weg zum Waschhaus sahen wir schon einige Sterne und Rachel versicherte uns, dass wir in der morgigen Nacht noch mehr sehen würden. Also gingen wir schlafen und stellten uns den Wecker auf 4:45 Uhr, da wir den Sonnenaufgang nicht verpassen wollten.

 

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